Ratgeber für Bauträger

Vertriebsstart vor Baubeginn: So verkaufen Sie schneller und senken Ihre Finanzierungskosten

Wer erst verkauft, wenn der Rohbau steht, verschenkt Zeit. Und Zeit kostet im Neubau Zinsen. Dieser Ratgeber zeigt, wie ein früher Vertriebsstart gelingt – ehrlich und mit Blick auf die rechtlichen Regeln.

Redaktion: GOTTSCHLING Immobilien

Die Rechnung, die jeder Bauträger kennt.

Der Kredit läuft. Die Zinsen laufen mit. Jede Einheit, die nach Fertigstellung noch leer steht, kostet Monat für Monat Geld – und am Ende oft einen Preisnachlass.

Ein früher Vertriebsstart dreht diese Rechnung um. Käufer zahlen nach Baufortschritt. Jede früh verkaufte Einheit bringt Raten, die Ihren Finanzierungsbedarf senken können. Und jede Beurkundung stärkt Ihre Position gegenüber der Bank.

Auf einen Blick

  • Pre-Sales senken Ihr Risiko und können Ihre Zinslast verringern.
  • Viele Banken verlangen vor der Auszahlung einen Mindestanteil verkaufter Einheiten.
  • Die richtige Preisstrategie belohnt frühe Käufer, ohne Ihre Marge zu verschenken.
  • Knappheit wirkt – aber nur, wenn sie echt ist.
  • Eine digitale Marke verkauft, bevor es etwas zu sehen gibt.

1 · Pre-Sales

Verkaufen, bevor der Kran kommt.

Pre-Sales heißt: Sie verkaufen Einheiten, bevor sie gebaut sind. Käufer entscheiden auf Basis von Plänen, Baubeschreibung und Visualisierungen. Das ist anspruchsvoll. Niemand kauft gern etwas, das er nicht sehen kann.

Damit es gelingt, braucht Ihr Projekt drei Dinge:

  1. Vollständige Unterlagen. Grundrisse, Baubeschreibung, Preisliste, Lageplan. Widersprüche kosten Vertrauen.
  2. Einen sichtbaren Auftritt. Marke, Website, Bauschild. Das Projekt muss real wirken.
  3. Eine Interessentenliste. Wer früh wirbt, hat zum Vertriebsstart schon Menschen, die warten.

Rechtlicher Rahmen: Nach der Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV) darf der Bauträger Zahlungen der Käufer erst annehmen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören ein wirksamer Vertrag, eine eingetragene Vormerkung und die Baugenehmigung. Klären Sie Details mit Ihrem Notar und Ihrem Rechtsberater.

2 · Die Bank

Was Ihre Bank sehen will.

Bei der Bauträgerfinanzierung verlangen viele Banken einen Nachweis, dass sich das Projekt verkauft. Man spricht von einer Vorvermarktungsquote oder Vorverkaufsquote. Erst wenn ein bestimmter Anteil der Einheiten notariell verkauft ist, fließen Mittel – oder die Konditionen werden besser.

Wie hoch diese Quote ist, legt jede Bank selbst fest. Sie hängt von Projekt, Eigenkapital und Ihrer Erfahrung ab. Fragen Sie früh nach. Dann wissen Sie, welches Ziel Ihr Vertrieb bis wann erreichen muss.

  • Wie hoch ist die geforderte Vorverkaufsquote?
  • Zählen nur Beurkundungen oder auch Reservierungen?
  • Welche Nachweise braucht die Bank – und wie oft?
  • Verbessern sich Konditionen mit steigender Quote?

Ein gutes Vertriebs-Reporting liefert Ihrer Bank genau diese Zahlen. Regelmäßig und nachvollziehbar.

3 · Preisstrategie

Frühe Käufer belohnen. Marge sichern.

Frühe Käufer tragen ein höheres gefühltes Risiko. Sie brauchen einen Grund, jetzt zu kaufen. Das muss nicht der Preis sein – aber oft ist er es.

StrategieSo funktioniert sieWorauf Sie achten sollten
PreisstufenDie ersten Einheiten gibt es zu einem Startpreis. Mit dem Baufortschritt steigen die Preise in veröffentlichten Stufen.Stufen vorher festlegen und einhalten. Sonst verlieren Sie Glaubwürdigkeit.
Wahl-VorteilFrühe Käufer wählen die besten Einheiten und haben mehr Zeit für Sonderwünsche.Sonderwunsch-Fristen klar kommunizieren.
Ausstattungs-PaketStatt Rabatt ein Mehrwert, etwa ein Upgrade bei Bodenbelag oder Bad.Kosten realistisch kalkulieren.
Provisionsfreiheit für KäuferKäufer sparen die übliche Käuferprovision. Das wirkt wie ein Preisvorteil, ohne dass Sie den Preis senken.Im Vertriebsmodell von Anfang an berücksichtigen.

Wichtig: Wer zu billig startet, verschenkt Marge. Wer zu teuer startet, verliert die wertvolle Anfangsdynamik. Eine fundierte Markt- und Preisanalyse ist deshalb der erste Schritt. Mehr dazu auf der Seite Leistungen.

4 · Knappheit

Ehrlich knapp.

Knappheit verkauft. Ein Projekt mit sechs Häusern hat nur sechs Häuser. Das dürfen Sie zeigen. Erfundene Knappheit dagegen ist gefährlich: Countdown-Uhren, angebliche Wartelisten oder „nur noch heute“ schaden Ihrem Ruf und können gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen.

Echte Dringlichkeit entsteht anders:

  • Ein Verfügbarkeitsplan, der zeigt, welche Einheiten verkauft sind
  • Sonderwunsch-Fristen, die sich aus dem Bauablauf ergeben
  • Veröffentlichte Preisstufen nach Baufortschritt
  • Besichtigungstage mit festem Termin

Ein Beispiel: Die Bockmühlgärten zeigen den Status aller sechs Häuser offen in einem Verfügbarkeitsplan.

5 · Digitale Marke

Verkaufen, wenn es noch nichts zu sehen gibt.

Vor Baubeginn gibt es nur eine Baustelle. Deshalb muss die Marke das Bild liefern: Name, Visualisierungen, eine Website mit echten Antworten. Käufer recherchieren heute gründlich – bei Google, in Portalen und zunehmend in KI-Suchen.

  • Eigene Projektwebsite: Seiten für jeden Haus- oder Wohnungstyp, Lage, Ausstattung, Preise.
  • Ratgeber und FAQ: Antworten auf Fragen, die Käufer sonst am Telefon stellen – etwa zum MaBV-Ratenplan oder zu Kaufnebenkosten.
  • Lead-Formulare: Exposé, Beratung, Besichtigung. Jede Anfrage landet im CRM.
  • Baufortschritt: Regelmäßige Updates machen das Projekt greifbar. Wie das aussieht, zeigt die Seite Baufortschritt.

Dass das funktioniert, zeigt das Bismarckhaus in Essen. Mit Marke, Fotos, Video und eigener Website waren alle zehn Wohnungen in vier Monaten verkauft, noch während der Sanierung. Die Details stehen in der Case Study.

Fragen zum Vertriebsstart

Dürfen Sie vor der Baugenehmigung verkaufen?

Werben und Interessenten sammeln können Sie früh. Für Beurkundung und Zahlungen gelten die Regeln der MaBV und des Bauträgervertragsrechts. Welche Schritte vor der Baugenehmigung sinnvoll und zulässig sind, klären Sie mit Ihrem Notar.

Wie früh sollte die Vermarktung beginnen?

So früh, dass Marke, Website und Unterlagen zum Vertriebsstart fertig sind. In der Praxis beginnt die Vorbereitung idealerweise schon während der Planung.

Sind Reservierungsgebühren sinnvoll?

Vorsicht. Der Bundesgerichtshof hat Reservierungsgebühren in Makler-AGB für unwirksam erklärt. Kostenfreie Reservierungen mit klaren Fristen sind oft der fairere und sicherere Weg.

Was tun, wenn der Verkauf nach dem Start stockt?

Ursachen analysieren: Preis, Produkt, Zielgruppe oder Kommunikation? Oft helfen neue Zielgruppen, bessere Unterlagen oder ein klarerer Auftritt. Ein laufender Vertrieb lässt sich neu aufstellen.

Fazit

  • Ein früher Vertriebsstart kann Ihre Zinslast senken und stärkt Ihre Position bei der Bank.
  • Fragen Sie Ihre Bank früh nach der geforderten Vorverkaufsquote.
  • Belohnen Sie frühe Käufer mit einer klaren Preisstrategie – nicht mit Panik-Rabatten.
  • Zeigen Sie Knappheit nur, wenn sie echt ist.
  • Eine digitale Marke verkauft, bevor es etwas zu sehen gibt.

Weiterlesen: Den richtigen Vertriebspartner finden und Ablauf der Zusammenarbeit.

Vertriebsstart

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