Ratgeber · Energie
Photovoltaik mit Speicher: So viel Strom machen Sie selbst
Ein Sonntag im Juni. Mittags läuft die Spülmaschine, der Akku des E-Bikes lädt, und auf dem Dach entsteht mehr Strom, als das Haus braucht. Abends, beim Kochen, kommt der Strom immer noch vom eigenen Dach – aus der Batterie im Haus.
So fühlt sich eine Photovoltaikanlage mit Speicher im Sommer an. Doch wie sieht es im Winter aus? Und rechnet sich das Ganze? Hier bekommen Sie ehrliche Antworten.
Auf einen Blick
- Ohne Speicher nutzen Haushalte meist nur 25–30 % ihres Solarstroms selbst.
- Mit Batteriespeicher kann dieser Anteil laut Verbraucherzentrale auf bis zu 70 % steigen.
- Faustregel: etwa 1,5 kWh Speicher pro 1.000 kWh Jahresstromverbrauch.
- Im Winter liefert die Anlage deutlich weniger. Dann kaufen Sie Strom zu.
- Die feste Einspeisevergütung für neue Anlagen soll entfallen. Eigenverbrauch wird damit noch wichtiger.

Wie funktioniert eine PV-Anlage mit Speicher?
Die Module auf dem Dach wandeln Sonnenlicht in Strom um. Ein Wechselrichter macht daraus Strom für die Steckdose. Was das Haus gerade braucht, wird sofort genutzt. Überschuss lädt die Batterie. Ist die Batterie voll, fließt der Rest ins öffentliche Netz.
Abends und nachts gibt die Batterie den Strom wieder ab. Erst wenn sie leer ist, kaufen Sie Strom aus dem Netz. Das passiert automatisch. Sie müssen nichts schalten.
Was bedeuten kWp und kWh?
| Begriff | Einfach erklärt | Beispiel |
|---|---|---|
| kWp (Kilowatt-Peak) | Die Spitzenleistung der Solarmodule unter Testbedingungen | Eine Anlage mit 11 kWp |
| kWh (Kilowattstunde) | Eine Menge Strom – das, was auf Ihrer Rechnung steht | Ein Wasserkocher braucht für 1 Liter rund 0,1 kWh |
| Speicherkapazität | Wie viel Strom die Batterie aufnehmen kann | 10 kWh nutzbar |
| Eigenverbrauch | Anteil des Solarstroms, den Sie selbst nutzen | 60 % des erzeugten Stroms |
| Autarkie | Anteil Ihres Verbrauchs, den die Anlage deckt | 70 % Ihres Jahresbedarfs |
Wie viel Strom erzeugt eine Anlage in Wuppertal?
Das Bergische Land liegt nicht im sonnigen Süden. Photovoltaik lohnt sich trotzdem auch hier. Nach Daten des EU-Werkzeugs PVGIS erzeugt eine Anlage in Wuppertal je nach Ausrichtung grob 840 bis 900 kWh pro kWp und Jahr. Eine 11-kWp-Anlage liefert also rund 9.000 bis 10.000 kWh im Jahr.
Die Menge verteilt sich aber sehr ungleich. Im Juni erzeugt die Anlage etwa zehnmal so viel wie im Dezember. Das ist der wichtigste Punkt für eine ehrliche Rechnung.
Ein Rechenbeispiel für ein Familienhaus
Eine Familie mit zwei Kindern verbraucht rund 4.000 kWh Haushaltsstrom im Jahr. Sie hat eine Anlage mit 11 kWp und einen Speicher mit 10 kWh. Der Strompreis liegt bei 37 Cent pro kWh – etwa der Durchschnitt für Haushalte laut BDEW.
| Ohne PV | Mit PV und Speicher (grobe Schätzung) | |
|---|---|---|
| Strom aus dem Netz | 4.000 kWh | etwa 1.000–1.400 kWh |
| Kosten für Netzstrom | etwa 1.480 € | etwa 370–520 € |
| Überschuss fürs Netz | – | mehrere Tausend kWh |
Wichtig: Diese Rechnung gilt für reinen Haushaltsstrom. Heizen oder laden Sie ein E-Auto mit Strom, steigt der Verbrauch vor allem im Winter. Dann deckt die Anlage einen kleineren Anteil.
Ehrlicher Hinweis: Im Winter hilft die Sonne wenig
Von November bis Februar liefert eine PV-Anlage nur einen kleinen Teil ihres Jahresertrags. Wird im Haus auch mit Strom geheizt, kommt in dieser Zeit der größte Teil des Stroms aus dem Netz. Eine PV-Anlage senkt Ihre Stromrechnung über das Jahr deutlich. Sie macht Ihr Haus aber nicht unabhängig vom Netz.
Auch ein Speicher altert. Die Verbraucherzentrale rechnet mit einer Lebensdauer von etwa 10 bis 15 Jahren. Die Module halten meist deutlich länger.
Was passiert mit dem Überschuss?
Strom, den Sie ins Netz speisen, wird bislang über viele Jahre fest vergütet. Für Anlagen mit bis zu 10 kWp und Teileinspeisung lag der Satz zuletzt bei 7,7 Cent pro kWh. Die Bundesregierung plant, diese feste Vergütung für neue kleine Anlagen abzuschaffen. Bereits laufende Anlagen behalten ihre Vergütung.
Für Sie heißt das: Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart rund 37 Cent. Eine eingespeiste bringt deutlich weniger. Es lohnt sich also, Strom dann zu nutzen, wenn die Sonne scheint – etwa mit Zeitprogrammen für Waschmaschine und Geschirrspüler oder mit einer Wallbox.
Welche steuerlichen Regeln gelten?
Für private Anlagen auf Wohnhäusern gelten seit einiger Zeit Erleichterungen: Beim Kauf der Anlage fällt unter bestimmten Bedingungen keine Umsatzsteuer an. Einnahmen aus Anlagen mit bis zu 30 kWp je Wohneinheit sind einkommensteuerfrei. Lassen Sie sich die Details für Ihren Fall von einer Steuerberatung bestätigen.
Module auf dem Gründach.
Auf den Flachdächern der Bockmühlgärten liegen die Module zwischen Pflanzen. Visualisierung.

Photovoltaik in den Bockmühlgärten
Jedes Haus in den Bockmühlgärten ist mit einer Photovoltaikanlage (ca. ca. 11 kWp) und einem sonnen-Batteriespeicher (ca. ca. 10 kWh) geplant. Die Module stehen auf dem begrünten Flachdach. Weil in den Häusern auch mit Strom geheizt wird, arbeitet die Anlage das ganze Jahr für die Stromrechnung – im Sommer spürbar mehr als im Winter.
Wie PV, Speicher, Heizung und Dämmung zusammenwirken, zeigt die Seite Energie in den Bockmühlgärten. Passend dazu: der Ratgeber Gründach.

Häufige Fragen
Wie groß sollte ein Batteriespeicher sein?
Die Verbraucherzentrale nennt als Faustregel etwa 1,5 kWh Speicher pro 1.000 kWh Jahresverbrauch. Bei 4.000 kWh wären das rund 6 kWh. Wer mehr Strom braucht, etwa für Heizung oder E-Auto, profitiert von einem größeren Speicher.
Funktioniert die Anlage bei einem Stromausfall?
Nicht automatisch. Viele Anlagen schalten sich bei Netzausfall aus Sicherheitsgründen ab. Eine Notstrom- oder Ersatzstromfunktion ist eine eigene Ausstattung. Fragen Sie gezielt nach, ob sie vorhanden ist und welche Geräte sie versorgt.
Muss eine PV-Anlage gewartet werden?
Der Aufwand ist gering. Sinnvoll sind ein Blick in die Ertragsdaten, gelegentliche Sichtkontrollen und eine Prüfung der Elektrik durch einen Fachbetrieb in größeren Abständen. Wechselrichter und Speicher haben eine kürzere Lebensdauer als die Module.
Lohnt sich ein Speicher überhaupt?
Laut Verbraucherzentrale ist ein Batteriespeicher bei den heutigen Strompreisen und gesunkenen Speicherkosten fast immer wirtschaftlich sinnvoll. Er lohnt sich umso mehr, je mehr Strom Sie abends und nachts brauchen und je geringer die Einspeisevergütung ist.
Kann ich mein E-Auto mit Solarstrom laden?
Ja, am besten tagsüber, wenn die Sonne scheint. Eine Wallbox mit Überschussladen nutzt gezielt den Strom, der sonst ins Netz fließen würde. Im Winter kommt ein Teil des Ladestroms trotzdem aus dem Netz.
Fazit
Photovoltaik mit Speicher macht Sie zu einem großen Teil zum eigenen Stromversorger. Im Sommer fast komplett, im Winter nur zu einem kleinen Teil. Über das Jahr sinkt Ihre Stromrechnung spürbar.
Weil die feste Einspeisevergütung für neue Anlagen entfallen soll, zählt jede selbst genutzte Kilowattstunde. Planen Sie Ihren Verbrauch deshalb ein wenig nach der Sonne.
Strom vom eigenen Dach.
Im Exposé sehen Sie, wie Photovoltaik, Speicher und Dämmung in den Bockmühlgärten zusammenarbeiten.
Quellen
- Verbraucherzentrale: Lohnen sich Batteriespeicher für Photovoltaikanlagen?
- Verbraucherzentrale: Photovoltaik – was bei der Planung wichtig ist
- EU-Kommission (JRC): PVGIS – Solarertrag nach Standort
- ADAC: Einspeisevergütung und geplante EEG-Reform
- BDEW-Strompreisanalyse (via ElektroWirtschaft)
- § 3 Nr. 72 EStG – Steuerbefreiung kleiner PV-Anlagen
- § 12 UStG – Nullsteuersatz für PV-Anlagen
Dieser Ratgeber informiert allgemein und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Energieberatung. Gesetze, Förderbedingungen und Preise ändern sich. Prüfen Sie den aktuellen Stand vor Ihrer Entscheidung.
