Ratgeber · Energie
Heizen im Neubau: Welche Heizung passt zum gedämmten Haus?
Braucht ein Haus, das kaum Wärme verliert, überhaupt noch eine große Heizung? Diese Frage klingt einfach. Die Antwort entscheidet aber über Ihre Baukosten, Ihre Stromrechnung und Ihren Komfort.
In diesem Ratgeber vergleichen Sie die zwei Systeme, die in sehr gut gedämmten Neubauten am häufigsten diskutiert werden: die Wärmepumpe und die Infrarotheizung. Fair, mit Zahlen und mit den Stärken beider Wege.
Auf einen Blick
- Je besser die Dämmung, desto weniger Wärme braucht das Haus – und desto einfacher darf die Heizung sein.
- Eine Wärmepumpe macht aus 1 kWh Strom etwa 3 bis 4,5 kWh Wärme. Eine Infrarotheizung macht daraus genau 1 kWh.
- Die Wärmepumpe spart Strom im Betrieb. Die Infrarotheizung spart Geld und Platz bei der Anschaffung und braucht kaum Wartung.
- Im Neubau ist eine Stromdirektheizung nur bei sehr gutem Wärmeschutz erlaubt – auf dem Niveau eines Effizienzhauses 40.
- Photovoltaik mit Speicher senkt die Stromkosten beider Systeme – im Winter aber nur wenig.
Warum heizt ein gut gedämmtes Haus anders?
Ein älteres Haus verliert viel Wärme durch Wände, Dach und Fenster. Es braucht eine kräftige Heizung, die ständig nachliefert. Ein sehr gut gedämmter Neubau hält die Wärme fest. Schon Sonne durch die Fenster, Kochen und die Körperwärme der Familie decken einen spürbaren Teil.
Deshalb stellt sich im Neubau eine neue Frage: Lohnt sich eine aufwendige Heiztechnik noch, wenn nur wenig Wärme fehlt? Genau hier trennen sich die Wege von Wärmepumpe und Infrarotheizung.
Wie arbeiten Wärmepumpe und Infrarotheizung?
Die Wärmepumpe funktioniert wie ein umgedrehter Kühlschrank. Sie holt Wärme aus der Außenluft oder dem Erdreich und hebt sie mit Strom auf Heiztemperatur. Die Wärme verteilt sich meist über eine Fußbodenheizung. Aus einer Kilowattstunde Strom werden so drei bis viereinhalb Kilowattstunden Wärme.
Die Infrarotheizung besteht aus flachen Heizflächen an Wand oder Decke. Sie wandelt Strom direkt in Wärme um und strahlt sie ab – ähnlich wie die Sonne. Sie erwärmt vor allem Flächen und Menschen, weniger die Luft. Es gibt keine Rohre, kein Wasser und keinen Heizraum.
| Luft-Wasser-Wärmepumpe | Infrarotheizung | |
|---|---|---|
| Wärme aus 1 kWh Strom | ca. 3–4,5 kWh | 1 kWh |
| Anschaffung | höher (Gerät, Einbau, meist Fußbodenheizung) | niedriger (Heizflächen und Elektroanschlüsse) |
| Wartung | regelmäßig, laut Buderus ca. 150–300 € im Jahr | praktisch keine |
| Platzbedarf | Außengerät, Technik im Haus | keiner außer den Heizflächen |
| Regelung | eher träge, gleichmäßige Grundwärme | schnell, Raum für Raum |
| Abhängigkeit vom Strompreis | gering bis mittel | hoch |
Was kostet der Betrieb wirklich?
Ein Beispiel mit Annahmen: Ein Reihenhaus mit 140 m² braucht im Jahr rund 30 kWh Heizwärme pro Quadratmeter. Das sind 4.200 kWh Wärme.
- Wärmepumpe (Jahresarbeitszahl 3,6): rund 1.170 kWh Strom, bei 37 Cent pro kWh etwa 430 € im Jahr.
- Infrarotheizung: rund 4.200 kWh Strom, bei 37 Cent pro kWh etwa 1.550 € im Jahr.
Die Infrarotheizung braucht also für dieselbe Wärme rund dreimal so viel Strom. Eine Photovoltaikanlage mit Speicher senkt die Kosten beider Systeme, weil ein Teil des Stroms vom Dach kommt. Da aber vor allem im Winter geheizt wird, stammt der Heizstrom überwiegend aus dem Netz. Warmwasser und Haushaltsstrom kommen in beiden Fällen noch dazu.
Und die Anschaffung?
Hier dreht sich das Bild. Eine Wärmepumpe kostet im Einfamilienhaus laut Buderus je nach Gerät und Einbau etwa 20.000 bis 35.000 €. Eine Fußbodenheizung kommt laut co2online mit etwa 45 bis 130 € pro Quadratmeter dazu. Infrarot-Heizflächen kosten nur einen Bruchteil davon und müssen nicht gewartet werden.
Rechnen Sie gesparte Anschaffung und Wartung gegen höhere Stromkosten. Dann können beide Systeme über viele Jahre erstaunlich nah beieinander liegen. Steigen die Strompreise stark, holt die Wärmepumpe auf. Braucht das Haus besonders wenig Wärme, kann Infrarot vorn liegen.
Wann ist eine Infrarotheizung sinnvoll?
Fachleute wie der ADAC halten Infrarot vor allem in sehr energieeffizienten Neubauten für eine sinnvolle Lösung. Drei Bedingungen sollten zusammenkommen:
- Eine sehr gut gedämmte Hülle. Das Haus braucht nur wenig Wärme. Der Gesetzgeber verlangt im Neubau, dass der Wärmeschutz die Anforderungen um mindestens 45 % unterschreitet. Das entspricht dem Niveau eines Effizienzhauses 40.
- Strom vom eigenen Dach. Photovoltaik mit Speicher deckt über das Jahr einen Teil des Stroms und senkt die Rechnung.
- Wunsch nach Einfachheit. Keine Rohre, kein Heizraum, keine Wartung, jeder Raum einzeln regelbar – etwa das Homeoffice tagsüber und das Gästezimmer nur bei Besuch.
Eine Wärmepumpe spielt ihre Stärke dagegen in drei Fällen aus: Das Haus braucht mehr Wärme. Sie lieben eine gleichmäßig warme Fußbodenheizung. Oder Sie möchten Ihre Heizkosten möglichst unabhängig vom Strompreis halten.
Ehrlich gesagt: Darauf sollten Sie bei Infrarot achten
Die Stromrechnung ist höher als mit Wärmepumpe und reagiert stärker auf Preisänderungen. Im Winter kommt der Heizstrom überwiegend aus dem Netz. Planen Sie Ihre monatlichen Abschläge deshalb auf die kalten Monate aus.
Der Energieausweis bewertet die Endenergie. Ein Haus mit Stromdirektheizung kann deshalb eine schlechtere Effizienzklasse zeigen als dasselbe Haus mit Wärmepumpe. Fragen Sie vor dem Kauf nach dem Energieausweis und dem erwarteten Stromverbrauch.
Was sagt das Gesetz?
Das Gebäudemodernisierungsgesetz hat das bisherige Gebäudeenergiegesetz ersetzt. Die frühere Pflicht zu 65 % erneuerbarer Wärme ist entfallen. Für Stromdirektheizungen in Neubauten gilt aber weiter: Sie sind nur zulässig, wenn der bauliche Wärmeschutz die gesetzlichen Anforderungen um mindestens 45 % unterschreitet. Das Infoportal des Bundes zum Gesetz erklärt die Einzelheiten.
Warum die Bockmühlgärten auf Infrarot setzen
Die Häuser am Bockmühlberg sind im KfW-40-Standard geplant: 22 cm Fassadendämmung, dreifach verglaste Fenster und eine dezentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Die Hülle hält die Wärme so gut fest, dass nur noch wenig Heizenergie fehlt.
Genau für solche Häuser ist eine schlanke Technik gedacht. Infrarot-Heizflächen in allen Räumen wärmen schnell und leise. Jeder Raum lässt sich einzeln steuern. Es gibt keinen Heizungsraum und keine Heizungswartung. Eine Photovoltaikanlage mit ca. ca. 11 kWp und ein sonnen-Batteriespeicher mit ca. ca. 10 kWh liefern über das Jahr einen Teil des Stroms. Warmwasser entsteht per Durchlauferhitzer genau dann, wenn Sie es brauchen.
Die Stromkosten sind dabei kein Geheimnis. Lassen Sie sich im Beratungsgespräch zeigen, mit welchem Verbrauch Sie rechnen sollten. Alle Details zum Konzept finden Sie auf der Seite Energiekonzept der Bockmühlgärten.
Häufige Fragen
Wird es mit einer Infrarotheizung wirklich warm genug?
Ja, wenn die Heizflächen zur Raumgröße und zur Dämmung passen. Eine Studie der TU Dresden hat gezeigt, dass Infrarotheizungen angenehmen thermischen Komfort erreichen können. Entscheidend ist eine fachgerechte Planung der Leistung pro Raum.
Braucht eine Wärmepumpe im Neubau immer eine Fußbodenheizung?
Nicht immer, aber meistens. Eine Wärmepumpe arbeitet am sparsamsten mit niedrigen Vorlauftemperaturen. Große Heizflächen wie eine Fußbodenheizung sind dafür ideal. Mit großen Heizkörpern geht es auch, oft etwas weniger effizient.
Welche Heizung ist leiser?
Die Infrarotheizung arbeitet lautlos. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe hat ein Außengerät mit Ventilator, das man je nach Modell und Aufstellort hören kann. Moderne Geräte sind leise, der Standort sollte trotzdem gut geplant sein.
Gibt es für die Heizung im Neubau einen eigenen Zuschuss?
Die bekannten Zuschüsse für neue Heizungen richten sich an bestehende Gebäude. Im Neubau läuft die Förderung über Programme für das ganze Gebäude, etwa bei der KfW. Ob und welche Förderung für Sie infrage kommt, klären Sie im Beratungsgespräch und vor dem Notartermin mit Ihrer Bank.
Kann ich eine Infrarotheizung später durch eine Wärmepumpe ersetzen?
Technisch ist das möglich, aber aufwendig. Eine Wärmepumpe braucht ein Verteilsystem mit Rohren, etwa eine Fußbodenheizung, und ein Außengerät. Das nachträglich einzubauen ist ein größerer Umbau. Entscheiden Sie deshalb möglichst vor dem Bau.
Fazit
Eine Heizung ist im Neubau keine Glaubensfrage. Die Wärmepumpe ist im Betrieb effizienter. Die Infrarotheizung ist einfacher, günstiger in der Anschaffung und wartungsfrei. Sie ist dann sinnvoll, wenn das Haus sehr wenig Wärme braucht und Strom vom eigenen Dach kommt.
Fragen Sie bei jedem Neubau nach Dämmstandard, erwartetem Stromverbrauch und Energieausweis. Dann sehen Sie schwarz auf weiß, was die Heizung für Sie bedeutet.
Wärme ohne Heizungskeller.
Sehen Sie sich an, wie Dämmung, Infrarot, Photovoltaik und Speicher in den Bockmühlgärten zusammenspielen – und rechnen Sie mit.
Quellen
- GModG-Infoportal des Bundes
- Bundesregierung: Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz
- Verbraucherzentrale: Was steht im Gebäudemodernisierungsgesetz?
- ADAC: Infrarotheizung – Kosten, Vor- und Nachteile
- Stiftung Warentest: Infrarotheizung
- Buderus: Was kostet eine Wärmepumpe?
- co2online: Kosten einer Fußbodenheizung
- IG Infrarot: Studie der TU Dresden zum thermischen Komfort
Dieser Ratgeber informiert allgemein und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Energieberatung. Gesetze, Förderbedingungen und Preise ändern sich. Prüfen Sie den aktuellen Stand vor Ihrer Entscheidung.